Gravitas beginnt im Kleiderschrank: Meine Erfahrung mit Stil als Führungsinstrument

Ein Blick in die Erinnerungsbox – und schon bin ich mitten in den 90ern. Das Foto entstand Mitte des letzten Jahrhunderts im Hotel Panhans. Der Look: eindeutig von der Yuppie-Ära geprägt. Die Botschaft, die der junge Bernhard von damals heute noch genauso vertreten würde: Dress up!

Gravitas beginnt mit der Kleiderwahl

Was mir damals instinktiv richtig erschien, hat heute einen Namen: Gravitas. Die Ausstrahlung von Kompetenz, Selbstsicherheit und Respekt – sie beginnt oft lange bevor ich das erste Wort spreche. Kleidung ist für mich ein stilles Signal, das andere unbewusst lesen.

Ich mag Anzüge sehr – trage sie aber bewusst nur ein bis zwei Tage pro Woche. Genau das schätze ich an unserer Zeit: Die Spielräume sind größer geworden. Die Ära, in der achtzig Businessmenschen im Einheitslook um 7 Uhr morgens in den Flieger nach Frankfurt stiegen, ist vorbei. Für mich lässt sich Professionalität heute in unterschiedlichen Stilen ausdrücken.

Die eine Frage, die alles entscheidet

In meinen Coachings taucht die Frage nach der richtigen Kleidungswahl regelmäßig auf. Meine Antwort ist – bei aller Lockerheit der heutigen Kleiderregeln – immer dieselbe:

Was will ich mit meiner Kleidung kommunizieren?

Foto: © Christine Miess

Wer diese Frage bewusst beantwortet, trifft keine modischen Entscheidungen mehr – sondern strategische. Für mich wird Kleidung so zum Instrument der persönlichen Marke.

Und wer unsicher ist, ob er zu viel oder zu wenig aufdreht: Meine Erfahrung zeigt, ein dezentes Overdressing erzeugt beim Gegenüber eher Respekt und Wertschätzung als das Gegenteil.

Oscar Wilde hat das für mich auf den Punkt gebracht: „You can never be overdressed or overeducated.“

Stil ist eine Haltung

Karl Lagerfeld ergänzte treffend: „A respectable appearance is sufficient to make people more interested in your soul.“

Ich bin fest davon überzeugt: Stilvolle, durchdachte Kleidung bereichert unser Businessleben. Nicht weil Oberflächlichkeit zählt – sondern weil Äußeres und Inneres für mich eine Einheit bilden. Wer sich bewusst kleidet, tritt bewusster auf. Das erlebe ich immer wieder –
bei mir selbst und bei den Menschen, die ich coache.

Möchten Sie Ihren persönlichen Auftritt und Ihre Wirkung als Führungspersönlichkeit schärfen? Sprechen wir.

Bernhard Tröstl